Wer war das eigentlich?

Eine originelle Kurzfassung bietet Radio Vatikan in 2007:

Heute: St. Nikolaus
Die Kirche feiert an diesem Donnerstag das Fest des heiligen Nikolaus - es ist zusammen mit dem Martinsfest das schönste Fest der Vorweihnachtszeit, und Nikolaus, obzwar oft zum „Weihnachtsmann” degradiert, ist einer der beliebtesten Volksheiligen. Zeit, um mal etwas an der Legende zu rütteln und zu fragen: Wer war er eigentlich wirklich, der heilige Nikolaus?

Erstens: Er lebte nicht in Bari, auch wenn die Italiener manchmal so tun, sondern in Kleinasien. In Bari ruhen nur - seit dem 11. Jahrhundert - seine sterblichen Überreste.

Zweitens: Er hatte vielleicht gar keinen Bart, auch wenn er in der Regel mit einem solchen dargestellt wird. Als er um das Jahr 300 Bischof von Myra in Kleinasien wurde, war Nikolaus jedenfalls noch ein junger Mann. Und er starb schon mit etwa fünfzig Jahren - das Jahr wissen wir nicht genau, aber es war wohl ein 6. Dezember.

Drittens: Er ist keine Gestalt der Legende - es gab ihn wirklich. Wir haben sogar seine Unterschrift: Sie steht unter einem Dokument des Konzils von Nicäa, an dem er teilnahm. Auf diesem Konzil entstand unser Glaubensbekenntnis.

Viertens: Er war nicht nur Bischof, sondern auch Bekenner. Nur wenige wissen, dass er bei einer Christenverfolgung in Gefangenschaft geriet und gefoltert wurde.

Fünftens: Am beliebtesten ist der heilige Nikolaus gar nicht in unseren Breiten, sondern in Russland. Seit dem 8. Jahrhundert schon wird er dort besonders stark verehrt; er ist auch der Patron Russlands. Zwei russische Zaren, darunter der letzte Zar überhaupt, hießen nach ihm.

Und sechstens: Ihnen einen schönen Nikolausabend! (rv)

Nikolaus, wer war das eigentlich?
Das ist gleich eine ganz schwierige Frage: Manche sagen: den gab es nicht, denn die Figur des Hl. Nikolaus geht auf die Verschmelzung zweier geschichtlicher Personen zurück:

Der ältere Nikolaus, Bischof zu Myra (Stadt in Lykien, Kleinasien, heutige Türkei) wurde im Jahr 270 in der Hafenstadt Patara in Lykien geboren, übernahm 300 das Bischofsamt von Myra.

Nachdem er während der Christenverfolgung in Gefangenschaft geriet und misshandelt wurde, verstarb er zwischen 345 und 351 vermutlich an einem 6. Dezember. Der Bischof von Myra war der Sohn reicher Eltern. Als nach ihrem Tode ihm ein reiches Erbe zufloss, verteilte er seinen Reichtum großzügig unter den Armen und Kranken, den Schutzbedürftigen und Hilfesuchenden.

Dieser Heilige Nikolaus verschmilzt mit seinem ebenfalls mildtätigen Namensvetter aus dem 6. Jahrhundert, Nikolaus Abt von Sion und späterer Bischof von Pinara (ebenfalls in Lykien).

Dieser Hl. Nikolaus galt als großer Wohltäter, der schließlich zu einem der wichtigsten Heiligen der orthodoxen Kirche wurde. Seine Stellung reicht unter den übrigen Heiligen hinsichtlich seiner räumlichen Verbreitung und volkstümlichen Verehrung nahe an die Stellung Marias heran.

Letztlich kommt es auch wohl nicht so sehr auf die geschichtliche Person an. Die aus den Lebensgeschichten beider Heiligen zusammenkomponierte und teilweise ausgestaltete Legende entfaltet jedenfalls bis zum heutigen Tage eine ganz erstaunliche Wirkung. So wie der Hl. Martin wird auch der Hl. Nikolaus im christlichen Brauchtum zu einem Urbild eines Heiligen überhaupt. An ihnen konnte man den Kindern leicht erklären, was christliches Leben bedeutet. Ob nun dieses oder jenes Detail der Heiligenlegende geschichtlich zu belegen ist oder nicht - ist das vor diesem Hintergrund noch wirklich wichtig?

Bereits seit dem 8. Jahrhundert hat sich die Verehrung des Hl. Nikolaus nach Italien ausgebreitet, von wo aus sie auch im 10. Jahrhundert bis ins Deutsche Reich gelangte.

Die in ganz Nord- und Osteuropa verbreitete Handels- und Verkehrsmacht der Hanse wurde zum mächtigsten Förderer des Nikolauskultes.

Seit dem beginnenden 19. Jahrhundert wird die Nikolausgestalt immer mehr zum „Weihnachtsmann“ verweltlicht. Einfluß auf die Sagengestalt des Weihnachtsmann hatte wahrscheinlich auch die im Norden und Osten Europas bekannte Figur des „Väterchen Frost“.

Als „Santa Claus“ verwandelte sich in den USA der von europäischen Einwanderern mitgebrachte Nikolaus mehr und mehr zum Weihnachtsmann. Das Urbild des Weihnachtsmannes in roter Kleidung (Väterchen Frost trug grün, der Nikolaus wohl eher weiß und gold als rot) gestaltete der amerikanische Karikaturist Thomas Nast für eine Anzeige der Firma Coca Cola. Darin bewirbt ein gemütlicher bärtiger Opa in Weihnachtsmannkleidung das Erfrischungsgetränk. An diesem Design kam fortan kein Weihnachtsmann vorbei. Und dieses Design macht es uns aber heute leicht beide voneinander zu unterscheiden.

Trägt doch der “echte” Nikolaus priesterliche Gewänder und keinen pelzbesetzen kurzen oder langen Mantel, fehlt doch dem Weihnachtsmann Mitra und Stab - er trägt höchstens eine „Plümelmütze“ mit Pelzbesatz.

Wenn wir den Nikolaus heute in der Kleidung eines katholischen Bischofs darstellen, dann folgen wir im Grunde ja auch nur “einer Mode”. Auch die weiterhin häufig bei Nikolaus - Kleidung verwendete rote Farbe verdanken wir eher dem Weihnachtsmann, als der liturgischen Farbe rot. Schließlich kann man sich über ein evtl. Martyrium des Nikolaus von Myra streiten. Während die ostkirchliche Darstellung des heiligen Nikolaus einen griechisch-orthodoxen Bischof (mit Evangelienbuch) zeigt, verwendet die westkirchliche Darstellung ab dem 13./14. Jahrhundert die liturgische Kleidung eines katholischen Bischofs. Nicht immer, aber oft wird aber der Typ beibehalten: ein asketischer, ernster Mann, im Osten mit Bart, im Westen meist ohne Bart. Mit Bart treten heute aber fast alle “echten” Nikoläuse auf. Er steht wohl symbolisch für Weisheit und Alter. Vielleicht hat sich im Bart aber noch ein Rest alten Nikolausbrauchtums erhalten.

Die globalisierte Welt und die Werbeindustrie sorgten dafür, daß der Nikolaus heute fast im Weihnachtsmann auf- oder untergeht.

Erstaunlich, daß sich der Nikolaus in den Niederlanden (ein stark säkularisiertes und in weiten Teilen ein reformiertes, evangelisches Land) gegen den Weihnachtsmann bis heute behaupten konnte. Dort ist in der Adventszeit nirgendwo ein Weihnachtsmann zu erblicken (und wenn doch, liegt er wie Blei in den Regalen). Natürlich wird auch der Nikolaus dort “verniedlicht” und kommerzialisiert - das Fest des Sinterklaas ist dort auch der Tag, an dem die Kinder beschenkt werden.